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Posts mit dem Label "Johanna" werden angezeigt.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Film Irmã hat sprichwörtlich eingeschlagen wie der pinke Meteorit, um den es die ganze Zeit geht - ein Meteorit aus Fragezeichen und sehr durchwachsenen Meinungen. Geht es überhaupt um den Meteoriten und was versinnbildlicht dieser? Nackte Frauen, die (wie wir aus den Nachrichten erfahren) auf einmal überall in Brasilien auftauchen. Alles ist feministisch angehaucht, aber was ist die Botschaft des Films? Allein die Handlung zusammenzufassen fällt mir zumindest schwer. Zwei Schwestern fahren aus ihrer gewohnten städtischen Umgebung raus aufs Land, um ihren Vater zu finden. Ihre Mutter liegt im Sterben und sie müssen klären, wie es anschließend weitergehen wird. Mit ihrer emanzipierten Art fallen sie im Dorf schnell auf. Zwischen den Handlungseckpfeilern: ganz viel Kunst, um es nett auszudrücken. Auch bei einigen Gesprächen untereinander werden wir nicht so richtig schlau aus Irma. Da sich niemand bereit fühlt, eine ganze Kritik zu schreiben, verleihen wir unserer Verwirrung in dies...

Einen eigenen Weg finden

Nach einigem Hin- und Herschieben meines Berlinalezeitplans schaffe ich es, die Kurzfilmrolle 3 wenigstens am zweiten Sonntag unterzubringen. Durch glückliche Umstände kann auch Clara mitkommen und wir treffen vor dem Cubix direkt einen netten Menschen, der eine Karte übrig hat und nicht einmal Geld dafür haben möchte. Und was für ein schöner Abschluss es für die diesjährige Berlinale ist. Wir begleiten sechs Protagonist*innen, die sich in den unterschiedlichsten und schwierigsten Umständen behaupten und ihren eigenen Weg in unserer Welt bahnen. Hauptgrund für meinen Wunsch, diese Rolle zu sehen, ist wohl Broken Bird . Birdie wächst zwischen zwei Welten auf: ihre weiße Mutter erzieht sie mit dem jüdischen Glauben, auf der anderen Seite steht ihr dunkelhäutiger Vater mit der afroamerikanischen Kultur. Es ist eine Gratwanderung, die Birdie auf ihrem Weg begleitet, beide Welten für sich selbst miteinander zu vereinen. Rachel Harrison Gordon bewerkstelligt die Symbiose von sehr gegensätzli...

Ein hoher Preis

Schon zur Premiere von Byambasuren Davaas Adern der Welt bin ich mir sicher, dass dieser Film einer meiner Favoriten des diesjährigen Kplus-Programms sein und bleiben wird. Vielleicht liegt das an den vielen Tränen, die ich mir während des Abspanns von den Wangen wische, die dadurch aber nur umso stärker zu fallen scheinen. Wenige Minuten vor Beginn des Films wird mir versichert: das ist ein richtig schöner Film. Schön? Ja, irgendwie schon. Dass er aber so schön ist, weil er gleichzeitig so todtraurig ist, damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Der Junge Amra und seine Familie sind Nomaden. Von Jahreszeit zu Jahreszeit ziehen sie an unterschiedliche Orte, kehren aber immer an die gleichen Orte zurück, je nach Saison. Ihre Lebensweise ist jedoch bedroht: immer mehr Goldminen werden eröffnet und die Nomaden von ihren Ländereien verdrängt, um die Bodenschätze freizulegen, nach denen die westliche Gesellschaft giert, während die Nomaden den gesamten restlichen Boden ehren. Trotz Nomaden...

Verwurzelung und Entwurzelung

Vom Nicaragua-Kanal hatte ich vor Programmausgabe der diesjährigen Berlinale und damit Perro noch kaum etwas gehört. Als ich mich kurz einlies, wurde mir klar: mit dieser Regisseurin brauche ich ein Interview. Über diesen Film möchte ich unbedingt sprechen. Es ist mein Glück, dass Lin in Berlin wohnt und deshalb für das ganze Festival anwesend ist. Am Mittwoch nach dem morgendlichen Screening in der Urania nimmt sie sich eine halbe Stunde Zeit für mich. Freie Generation Reporter: Es ist ja die erste Vorstellung, die unter der Woche und vor Schulklassen lief - hat dich irgendeine Reaktion besonders überrascht oder gefreut? Lin Sternal: Mich hat überrascht, dass grundsätzlich so eine gute Stimmung herrschte. Ich hatte das Gefühl, die Schüler waren sehr konzentriert, obwohl es ein so langsam erzählter Film ist und eher ungewohnt, nicht so schnell geschnitten. Auch für Erwachsene ist es ja ein anspruchsvoller Film, es werden nur sehr wenige Informationen gegeben, man muss sich viel selbs...

Giving a voice to the voiceless

Schon bei Herausgabe des Berlinaleprogramms fragte ich mich, ob ich wirklich die richtige Person bin, eine Kritik zu diesem Film zu schreiben. Das frage ich mich auch immer noch. Da ich es nicht über mich gebracht habe, einen Hintergrundartikel zu diesem Thema zu schreiben, verwandle ich meine Kritik in einen Kommentar und kombiniere beides. Es ist ein Thema, das mir seit Jahren am Herzen liegt, das mich bei jeder Diskussion emotional an die Grenzen treibt und mich regelmäßig beim bloßen Gedanken daran zum Weinen bringt. Das ändert sich auch bei Victor Kossakovskys Film Gunda nicht. Auch vom Ende der Berlinale bin ich emotional aufgeladen, aber die Tränen wären auch so geflossen. Mit wahnsinniger Ruhe und Einfühlsamkeit begegnen wir den drei meistgenutzten Tieren der westlichen Welt. Es beginnt mit Gunda, einer frischgebackenen Schweinemama. Liebevoll kümmert sie sich um ihre Ferkel, die alle übereinanderpurzeln und etwas trinken wollen. Wir befinden uns im Stall, ganz nah an der Famil...

Das Windtelefon als emotionale Zuflucht

Nach Yuki & Nina im Kplus-Programm 2009 kehrt Nobuhiro Suwa mit einem weiteren Film zurück ins Generationprogramm. Sein neuer Film Kaze No Denwa läuft im Programm 14+. Am Tag nach der Weltpremiere nimmt er sich eine ganze Stunde für Clara und mich Zeit, um unsere Fragen zum Drehprozess, zur Situation in Japan und anderen Dingen zu beantworten. Wir machen es uns in der Lounge des Hotel Berlin, Berlin gemütlich und tauschen uns bei netter Hintergrundmusik über Kaze No Denwa, Japan und die Welt aus, während Isabelle netterweise für uns übersetzt. Freie Generation Reporter : Wie hat sich die Entstehung des Filmteams ergeben und wie haben Sie Serena Motola, die Schauspielerin von Haru, gefunden? Nobuhiro Suwa : Es ist jetzt schon 18 Jahre her, dass ich meinen letzten Film in Japan gedreht habe. Seit 2002 habe ich eigentlich nur mit französischen Produzenten gearbeitet. Daher kannte ich die meisten meiner neuen Mitarbeiter vorher gar nicht. Das war also alles sehr aufregend und ich war z...

It's always time to talk about immigration

Upon reading the description to Los Lobos in this year’s Berlinale program, I instantly knew that I wanted to interview the director Samuel Kishi Leopo. The day after its international premiere I get lucky and have 15 minutes in the Berlinale Palace with both Samuel and his actress Martha Reyes Arias. Free Generation Reporters : This was a very personal movie for you. How did you find the right actors and team to work with? Samuel Kishi Leopo : That’s actually ironic - I found my producer via facebook. A while ago, when I was filming Somos Mari Pepa, my current producer talked to my producer for Somos Mari Pepa. She asked about me and ended up contacting me via facebook, saying ”Samuel, I have a script and I would like for you to direct it, if you’re interested.” I read her script, but didn’t think I was the right guy for the job. So I told her: ”Inna (Payán), I’m not the right director for this movie, maybe I could recommend someone else to you. But I have an idea for another movie. ...

Und die Bäche, die Ströme schwellen

Regen ergießt sich über den Feldern Goas. Ein einsamer Junge vermisst seinen Vater und weiß nicht so recht, wohin mit sich. Erklärt wird ihm nichts, er wird einfach aufs Land gebracht und soll sich anpassen. Seine Schwester ist älter und versteht mehr, doch auch sie lässt ihn im Dunkeln tappen. Also vertreibt Dighu (Neel Deshmukh) sich allein die Zeit und erkundet sein neues Zuhause. Akshay Indikars Film Sthalpuran begleitet Dighu, ohne auf Worte angewiesen zu sein. Der Film verläuft wie ein Tagebuch. Immer wieder erfahren wir, welcher Tag es ist und wie Dighu ihn in Worte fassen würde. Den Rest der Zeit lassen wir atemberaubende Naturaufnahmen auf uns wirken. Es ist unruhig im Saal, die Schüler*innen können mit dem Film nicht allzu viel anfangen und ich muss sagen, dass es sich mal wieder um einen Film handelt, der vielleicht nicht wirklich ins K+ Programm passt. Für mich ist es dennoch eine schöne Erfahrung. Wie der Regisseur im Anschluss meint: manchmal können Bilder eben so viel m...

Mein Leben in Deinen Händen

Auch ohne mein Vorwissen aus der Filmbeschreibung ist die Dringlichkeit der Situation von der ersten Minute an klar. Maryam (Sadaf Asgari) wird in Handschellen ins Fernsehstudio gebracht, für den Dreh fertig gemacht und muss warten. Warten auf eine Live-Übertragung, die über ihr Leben entscheiden wird. Denn nur die Tochter ihres verstorbenen Ehemannes hat die Fähigkeit, ihr zu vergeben und so vor der Hinrichtung zu retten, zu der sie wegen des anscheinlichen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt wurde. Massoud Bakhshis Film Yalda, la nuit du pardon erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die alles verloren hat und deren Leben nun zur Unterhaltung von 30 Millionen Menschen im Fernsehen genutzt wird. Inspiriert ist dieses Drama von einer echten Fernsehsendung, die 12 Jahre lang im Iran ausgestrahlt wurde und nun glücklicherweise eingestellt wurde. Es ist schwierig mit anzusehen. Während man Maryam beim nervösen Warten zusieht, kommt man nicht umhin, ebenfalls nervös zu werden. Ohne zu zö...

Das Land der Möglichkeiten?

"We want to go Disney. One ticket please." - eine Kritik zu Los Lobos Es ist die Hoffnung, die die Familie in die USA treibt. Die Hoffnung auf ein besseres Leben, weniger Gewalt, weg vom Vater. Eine Mutter mit ihren zwei Söhnen, die sich fortan die Zeit allein in einem heruntergekommenen Zimmer vertreiben müssen. Samuel Kishi Leopo erzählt mit Los Lobos die Geschichte seiner eigenen Kindheit, hinterlegt mit der Musik seines Bruders. Die Brüder Maximiliano und Leonardo Nájar Márquez legen eine unglaubliche Performance ab. Durch die familiäre Atmosphäre am Set und die Improvisation von Martha Reyes Arias, die die Mutter spielt, fällt es den beiden nicht schwer, sich völlig natürlich zu verhalten. Ein Drehbuch gab es zwar, allerdings diente das mehr zur Festlegung der Handlung als für die Dialoge, da Martha den beiden Jungs beim Dreh sämtliche Freiheiten gab und sich dem anpasste und die Anweisungen von Samuel nicht nur selbst umsetzte, sondern auch auf die beiden Jungs übertrug...

Zwischen Aufständen und Spabesuchen

>> English version Hong Kong, der 28. Juli 2019. Schreie, Tränengas, Schüsse. Eins, Zwei, Rückzug von der Frontlinie, Vorstoßen. Wir befinden uns mitten in den Protesten und Aufständen Hong Kongs im letzten Sommer. Wir ziehen mit der Masse, verbergen uns hinter den Schutzschilden, sehen unsere Kameraden Kommandos schreien, in Bewegung bleiben, in Ohnmacht fallen, weggetragen werden. Alles ist chaotisch und angsteinflößend, aber dennoch organisiert und kontrolliert. 15 Minuten lang halte ich den Atem an, mein Herz rast und setzt gleichzeitig immer wieder aus. Es ist bedrückend. Unglaublich bedrückend, einen Tag der Hong Kong Aufstände so nah zu erleben. In meinem urlaubsgeprägten Juli habe ich zwar am Rande von der Situation mitbekommen, mich jedoch leider nicht allzu sehr damit verpasst. Umso extremer ist es, am Anfang der Kurzfilmrolle 2 in diesen Moment geworfen zu werden. Trotz der Kürze des Filmes kommt man direkt an. Die Kamera fügt sich nahtlos in die Gruppendynamik ein. A...

Die Flügel ausbreiten

Im Freibad, auf Partys, beim Abhängen und letztendlich auch im Unterricht - überall begleitet Nora (Lena Urzendowsky) ihre große Schwester Jule (Lena Klenke) und deren Freunde. Alles macht sie mit, um nicht die Berechtigung zu verlieren, dabei zu sein. Sogar ihre Hand wird ihr einmal bei einem Spiel gebrochen. Doch Nora kann nicht auf ewig nur die ”kleine Schwester” bleiben. Sie bekommt ihre Tage und entdeckt mit Romy (Jella Haase) ihre Sexualität. Mit Kokon erzählt Leonie Krippendorff die Geschichte einer Vierzehnjährigen, die erst noch zu sich finden muss, die ihre Grenzen und die der anderen testet, die zunächst dahinkriecht, sich dann verpuppt und als Schmetterling in die Welt zurückkehrt. Sommer 2018, Berlin, Kottbusser Tor. Als Berlinerin muss man mir kaum mehr Stichpunkte als diese zuwerfen, um eine bestimmte Stimmung aufkommen zu lassen. Zwar zählt der Kotti nicht zu meinen üblichen Aufenthaltsorten, aber was meiner eigenen Erfahrung abgeht, wird durch die Performance der jung...

Unfreiwilliger Aufbruch

Krabben am Strand fangen und ihnen eine Sandhöhle bauen. Barfuß durch den Regenwald ziehen und den Schlamm unter den Füßen spüren. Auf Palmen klettern und die Kokosnüsse herunterstoßen. Sowohl in der Schule als auch bei der Hilfsarbeit lernen. Für Perro und seine Freunde gibt es so einiges, womit sie sich die Zeit vertreiben können. Sie haben Spaß in der Schule und genießen ihre Freizeit. Doch zwischen den ruhigen Szenen die allgegenwärtige Drohung: Der Nicaragua-Kanal wird kommen und mit ihm tausende Enteignungen, die auch vor Perros Familie und denen seiner Freunde nicht Halt machen werden. Lin Sternals Langfilmdebüt Perro fängt am Beispiel des jungen Protagonisten Perro (Joshua McCree) die Situation vieler Bewohner*innen Nicaraguas ein. Obwohl das Bauprojekt bis dato nur in Planung ist und der erste Spatenstich wenn überhaupt wohl erst in unabsehbarer Zukunft fallen wird, werden Familien entlang der geplanten Route enteignet und aus dem Dschungel in die Städte vertrieben. Behutsam ...

LGBTQ+ Terminologie

In unserer sich ständig verändernden Welt, die glücklicherweise immer inklusiver und offener gegenüber Mitgliedern der LGBTQ+-Gemeinschaft wird, kann es manchmal schwierig sein, mit den zahlreichen Begriffen, die mit dem Thema einhergehen, Schritt zu halten. Da ich viele Menschen kenne, die sich selbst auf verschiedene Weise als queer definieren, mich aber bisher selbst als heterosexuell und cisgender identifiziere, überfordert es mich manchmal ein wenig, nichts durcheinander zu bringen und vor allem niemanden mit meinem mangelnden Wissen über seine sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu verletzen. Um Menschen wie mir und anderen, denen die LGBTQ+-Terminologie noch weniger geläufig ist, zu helfen, habe ich einen kleinen Leitfaden zusammengestellt. Bitte beachtet, dass ich zwar gründlich recherchiert, so viele Begriffe wie möglich aufgenommen und versucht habe, sie alle richtig darzustellen, aber vielleicht habe ich Fehler gemacht oder versehentlich etwas ausgelassen. E...