Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Vincent" werden angezeigt.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Film Irmã hat sprichwörtlich eingeschlagen wie der pinke Meteorit, um den es die ganze Zeit geht - ein Meteorit aus Fragezeichen und sehr durchwachsenen Meinungen. Geht es überhaupt um den Meteoriten und was versinnbildlicht dieser? Nackte Frauen, die (wie wir aus den Nachrichten erfahren) auf einmal überall in Brasilien auftauchen. Alles ist feministisch angehaucht, aber was ist die Botschaft des Films? Allein die Handlung zusammenzufassen fällt mir zumindest schwer. Zwei Schwestern fahren aus ihrer gewohnten städtischen Umgebung raus aufs Land, um ihren Vater zu finden. Ihre Mutter liegt im Sterben und sie müssen klären, wie es anschließend weitergehen wird. Mit ihrer emanzipierten Art fallen sie im Dorf schnell auf. Zwischen den Handlungseckpfeilern: ganz viel Kunst, um es nett auszudrücken. Auch bei einigen Gesprächen untereinander werden wir nicht so richtig schlau aus Irma. Da sich niemand bereit fühlt, eine ganze Kritik zu schreiben, verleihen wir unserer Verwirrung in dies...

Lauscht dem feinen Klang der Sehnsucht

Verschlungen von den reißenden Fluten. Der Tsunami hat Haru alles genommen. 
Ein verwaschenes Foto ist das Einzige, was ihr bleibt von ihrer für immer verschwundenen Familie. Haru hat keinen Halt, niemand schenkt ihr Sicherheit oder gar beständige Liebe. Schweigend wandelt sie ziellos umher. Als sie einmal all ihr Leid hinaus in die Welt schreit, fühlt sich das unglaublich roh und echt an.
 Gespielt wird Haru von Serena Motola, die ihrer Rolle eine melancholische Schönheit und Tiefe verleiht. Wenn Haru spricht, lauscht man ihren Worten gebannt zu, so ordinär sie zunächst erscheinen mögen. Haru ist noch ein Kind, sie denkt wie ein Kind, weint wie ein Kind und leidet doch wie jeder andere Mensch auch. Trauer und Schmerz erfüllen ihre Seele. Ihr Geist ist aber nicht so verschlossen, wie ihr introvertiertes Erscheinen es suggerieren mag. Ohne Scheu, aber auch ohne echte Alternative, lernt sie auf ihrer Reise durch das Land verschiedene Menschen kennen, die ihr alle etwas mit auf den Weg ge...

Die Erklärung des Genozids in 90 Minuten?

Der Genozid in Ruanda im Frühjahr 1994 ist eines der schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Innerhalb von nur sechs Wochen wurden knapp eine Million Menschen ermordet, nein, abgeschlachtet. Der Genozid war der Gipfelpunkt einer hundert Jahre andauernden Auseinandersetzung der Hutu und Tutsi. Vereinfacht gesagt regierte traditionell die Tutsi-Adelsklasse und ließ die Hutu für sich arbeiten. Doch erst später wurden die beiden großen Bevölkerungsschichten Ruandas als ethnisch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen klassifiziert.
1897 wurde Ruanda nämlich kolonialisiert, und das ausgerechnet von Deutschland. Von 1916 bis 1962 übernahm Belgien die Kontrolle. Anschließend wurde Ruanda unabhängig, naja, quasi unabhängig. Denn der Einfluss der ehemaligen Kolonialherren setzte sich auf verheerende Art und Weise fort. Zusammengefasst begründete sich der Völkermord an den Tutsi und moderaten Hutu vor allem auf der Bevorzugung der sowieso schon privilegierten Tutsi durch die europäischen K...

Mord; Völkermord
 - Hass in Deutschland und Ruanda

Mord ist spannend, Mord fasziniert, Mord begeistert. In Martin Scorseses Mafia-Filmen warten wir gebannt auf das nächste brutale Verbrechen, bei Quentin Tarantino lachen wir herzhaft über blutige Orgien der Gewalt. Makaber gesagt: Von Mord können wir nicht genug kriegen.
 Dabei fürchten wir uns doch so sehr vor dem Tod. Oder ist unser ungebändigte Voyerismus in einem tiefenpsychologisch erklärbaren Abwehrmechanismus begründet? Ruanda 1994. Innerhalb von sechs Wochen werden über 800.000 Menschen ermordet. Riesige Massengräber, Mahnmahle aus Totenköpfen. Die Bilder sind grausam. Ich darf sie abschalten, das ruandische Volk wird das nie können. Bei den Terroranschlägen im hessischen Hanau am Mittwoch kamen neun Menschen ums Leben. „Neun, das sind doch keine 800.000“, mag jetzt manch einer denken. Doch geht es hier nicht um die Zahlen, es geht um das Motiv.
 Das Motiv war Hass, Hass vor dem vermeintlich Fremden.
 Hass wird geschürt und hat viele Ursachen. Immer wieder wird dieses schreckli...