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Schrei es einfach raus

Verrat des Bruders, ungewollte Schwangerschaft und versuchter Selbstmord - das sind alles Themen und Handlungsstränge in Paradise Drifters, der mir trotz seines gut gewählten Titels nicht unbedingt gut gefallen hat. Es geht um 3 junge Erwachsene, die alle kein Geld haben und deren Wege sich kreuzen. Gemeinsam beschließen sie, nach Barcelona zu fahren. Das es aber bei einer Lauflänge von ca. 85 Minuten noch um viel mehr geht als, dürfte klar sein. Doch da der Film sehr viel erzählt und (zumindest am Anfang) die Geschichte von drei abgestürzten Erwachsenen gleichzeitig portraitiert, wirkt es an manchen Stellen so, als wäre er eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten aus dem Alltag dieser.
Einen großen Teil dazu trägt der Schnitt bei, der anders als in den meisten Filmen viel mit Pausen (Black Screen) arbeitet und so die Geschichte gut abgrenzt. Mir gefallen hat die Musik, die zwischen modernem Rap und ruhigen Beats sehr gut pendelt, was für eine stetig wechselnde Atmosphäre sorgt. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend, denn die Figuren werden so bodenständig und realistisch gespielt, dass man den Darstellern die Emotionen wirklich abkauft. Die Kamera ist per Hand gehalten und sorgt so für wackelige Bilder, die einen dadurch noch mehr in die Welt der Protagonisten eintauchen lassen, die ja selber auf der Kippe steht.

Mir persönlich hat aber die langsame Erzählweise nicht sehr gut gefallen. Denn trotz der kurzen Lauflänge fühlt sich der Film lang an und es passiert nicht gerade viel. Die Geschichte ist auch nicht so spannend und so kommt es, dass es an manchen Stellen langweilig ist.

Paradise Drifters ist ein Film, den man sich anschauen kann. Aber nicht muss. Denn man muss sich Zeit nehmen. Der Film ist nämlich nicht einfach zu schauen. Und ob man das dann auf der Berlinale macht, muss am Ende des Tages jeder für sich selbst entscheiden.
23.02.2020, Yaron Volk

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