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Mein eigen Fleisch und Blut

Pulsierende Sounds, düstere Atmosphäre, Spannung von der ersten Sekunde.
„Kød og blod“ (Fleisch und Blut) ist der Titel des dänischen Films, der Freitag in der Sektion Panorama seine Weltpremiere feierte. Ein Hybrid aus Thriller und Familiendrama, Mafia Film und Coming of Age. Regisseurin Jeanette Nordahl wagt sich mit ihrem Regiedebüt in ein von Männern dominiertes Genre: und brilliert.

Family comes first
Nachdem ihre Mutter bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, muss die 17-jährige Ida gegen ihren Willen bei ihrer Tante und ihren drei Cousins leben. Ihr neues Umfeld: Ein krimineller Familienclan, angeführt von einer skrupellosen Matriarchin. Fürsorglich und besitzergreifend spinnt sie Ida in ihr Netz ein. Ein Konflikt mit der Polizei stellt Ida vor eine schwere Entscheidung.


Rauschend. Pulsierend. Zischend.
Durch ein überzeugendes Sounddesing, geprägt von Klängen in hohen Frequenzen und pulsierenden Trommelschlägen, ästhetische Nahaufnahmen und ein düsteres Setting in Fluren und Gängen, wird von Beginn an eine thrillerartige Atmosphäre erzeugt. Das sonnige Wetter und die lieblichen Einfamilienhäuser des kleinen Ortes bilden einen skurrilen Kontrast. Die klassischen Genre-Elemente des Mafia Filmes werden gekonnt eingesetzt, um das Familiendrama zu erzählen.

Skrupellos liebevoll
Sidse Babett Knudsen, in Dänemark berühmt für ihre Hauptrolle in der Politserie Borgen (die Vorlage für House of cards), brilliert als Herrscherin des Familienclans. Die Mutter ist fürsorglich und angsteinflößend zur selben Zeit. Ihre goldenen Armbänder klimpern, wenn sie ihre Arme ausstreckt um ihren Söhnen nach dem Frühstück auf den Mund zu küssen. Die Freundinnen ihrer Söhne verachtet sie. Alle drei wohnen bei ihrer Mutter, auch wenn sie schon eine eigene Familie haben. Die Mutter leitet das kriminelle Geschäft und hält alles zusammen. Für ihr eigen „Fleisch und Blut“ überschreitet sie Grenzen. So wird eine komplexe Mutterfigur gezeichnet. Angenehm erfrischend in diesem Genre. „Wir können aufhören, weibliche Charaktere auf ein Podest zu stellen und anfangen sie menschlicher zu machen“ erzählt Regieseurin Nordahl im Interview mit dem Magazin Screen, und das ist ihr in „Kød og blod“ gelungen.

Ein Neuanfang
„Kød og blod“ ist ab März in den dänischen Kinos zu sehen und das Publikum kann sich auf dieses Geflecht aus unterhaltsamen Thriller und komplexen Familiendrama freuen. Der Film macht Lust auf mehr Gangsterfilme mit Tiefe und reflektiertem Inhalt. Und wenn wir Nordahl glauben, müssen wir vielleicht gar nicht so lange darauf warten: "Das Mafia-Genre scheint so ein klassisches männlich dominiertes Genre zu sein, aber vielleicht ist diese Ära bald zu Ende, es fühlt sich an, als ob es sich ändert."
23.02.20, Liv Thastum

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