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In die Lüfte erheben

“She won’t notice, she just thinks about her own shitty life.”
- eine Kritik zu „La déesse des mouches à feu

Catherine, die von allen immer nur Cat genannt wird, hat das Leben mit ihren Eltern leid. Ständige Streitereien - sogar an ihrem Geburtstag - ein Wettkampf über ihre Zuneigung und körperliche Gewalt, das alles Tag für Tag. In der Schule kommt sie mit der Droge Meskalin in Kontakt, durch die ihr ein kurzzeitiges Entkommen aus ihren Gedanken und Problemen ermöglicht wird. Ein neuer Freundeskreis, erste Liebe, Gefühle von Akzeptanz und endlich keine Streitereien. Für Cat scheint die Meskalin-Szene ein Ausweg zu sein und rutscht so immer weiter in eine Sucht herein.

„La déesse des mouches à feu“ wird geführt von zwei Strängen, die an Cats Leben ziehen. Auf der einen Seite die Zeit mit ihren neuen Freunden - meistens high - im Film umgesetzt durch visuelle und klingende Metaphern von Freiheit. Die vorbeifahrenden Autos werden zu Wellenrauschen, die Lichter der Stadt zu Glühwürmchen. Durch Bilder in Zeitlupe und toller Kameraführung erlebt das Publikum Cats Drogenräusche mit und ihr Gefühl von Freiheit überträgt sich. Auf der anderen Seite Cats Probleme zu Hause, die sich trotz der Scheidung ihrer Eltern nicht bessern. Im Laufe des Filmes bekommt der Zuschauende immer mehr den Eindruck eines stillen und erbitterten Hilferufes von Cat an ihre Eltern, den sie durch ihren Drogenkonsum erreichen möchte. Diese bekommen die Sucht ihres Kindes nach einer Zeit natürlich mit, doch erkennen sie kaum die wahren Intention und Beweggründe ihrer Tochter.

Regisseurin Anaïs Barbeau-Lavalette verschönt oder verharmlost in ihren Film nichts. Wir bekommen die körperliche Gewalt zu spüren, Cats ersten Sex und auch die Drogenexzesse und Partys werden in all ihren Längen gezeigt. Teilweise laut und anstrengend, gerade im letzten drittel des Filmes bemerke ich einige Male die Länge von 105 Minuten. Allerdings schafft dies auch viel Authentizität und durch die schauspielerische Leistung der Darsteller dringen auch Gedanken und zwischenmenschliche Momente zum Publikum hindurch.

Besonders gelungen ist die Musik im Film, die uns mitnimmt in das kanadische Teenager-sein der 90er Jahre. Zwischen „Nirvana“ und „Desireless“ sind auch die Längen des Filmes klangvoll untermalt und geben dem Film viel seines Ausdruckes.

„La déesse des mouches à feu“ glättet nicht, schockt teilweise und nimmt das Publikum mit in das Heranwachsen eines Mädchens, das sich durch Rebellion ihrer nicht sehr hoffnungsvollen Zukunft entgegensetzten möchte. Auf jeden Fall ein sehr sehenswerter und empfehlenswerter Film, der aber eventuell eine Differenziertheit gegenüber Drogenkonsum und grade bei jüngerem Publikum eine Vorbereitung auf das Thema erfordert.

Weitere Screenings während der Berlinale:

Di. 25.02. 13:30 Uhr CinemaxX 3
So. 01.03. 17:00 Uhr CinemaxX 1
24.02.2020, Clara Bahrs

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