Direkt zum Hauptbereich

Die Welt ist blau wie eine Orange


Eindrücke zum Ukrainischen Dokumentarfilm „The earth is blue as an orange“. 

SZENE 1 TAKE 4 

Das Geräusch von Bomben zerstört Häuser und Gedanken 
ihr Kind schläft Nachts mit offenen Augen 
Der Mond versteckt sich hinter müden Schornsteinen 
damit er die Einschusslöcher nicht sehen muss: 
Blaue Fensterrahmen 

Im Schatten der Ostblockbauten treten sie auf das Geräusch von Scherben 
und der Surrealismus umarmt die Realität 
Eine Familie an der Grenzlinie filmt 
den orangenen Staub von Красногорівка 
„Сподіваюся“ 

Die Brennweite der Kinderträume reicht bis nach Kiew 
wo man das Objektiv auf plätschernde Springbrunnen hält 
Der Spiegelreflex ist schwach geworden 
aber der Puls noch immer hoch 
„Gestern war der Himmel rot“ 


Orangenes Lachen übertönt das Grau 
und das Saxophonspiel ist lauter als die Bomben 
Der Spielzeugpanzer fährt über den Rücken der Großmutter 
und alles was ich denken kann ist: 
Warum sind die Hügel schwarz-weiß geworden? 

Viele sind gegangen, sie sitzt auf dem Blau 
die Stadt ist leer geseufzt und die Katze spielt 
Im Müll die abgeschnittenen Haare 
einsam hängt ein blauer Ballon im Baum 
„War is emptiness“ 

Als erstes rattert der Nachtzug 
durch hohes Gras, wuchert über Spielplätze 
Der Schnee fällt in die Kellerstunden 
hält sich die Ohren zu und denkt: 
Die Welt ist blau, wie eine Orange 

28.02.2020, Liv Thastum

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Insights into the Iranian Judiciary System - A Discussion with Massoud Bakhshi, the director of „Yalda, la nuit du pardon“

During the Berlinale I had the chance to participate in a so-called roundtable with two other journalists. We sat down with the director of „Yalda, la nuit du pardon“ , Massoud Bakhshi, in a small lounge in the press center of the Hyatt. In the film a young woman, Maryam, is sentenced to death because of the murder of her husband. She and the daughter of the murdered man are part of a TV show. If she forgave Maryam, Maryam would be able to live. A dramatic show evolves. While I was a bit nervous at first - having never done anything like that with other „professional“ journalists before - I soon could settle and a really nice and interesting conversation developed. fGR: Forgiveness is one of the major aspects in your film. Can you tell us about this concept in Iran? Massoud Bakhshi: Forgiveness itself is really respected. It is something that every religion values highly. However, in Iran forgiveness actually is part of the judiciary system. It means that if the victim decides to forg...

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Film Irmã hat sprichwörtlich eingeschlagen wie der pinke Meteorit, um den es die ganze Zeit geht - ein Meteorit aus Fragezeichen und sehr durchwachsenen Meinungen. Geht es überhaupt um den Meteoriten und was versinnbildlicht dieser? Nackte Frauen, die (wie wir aus den Nachrichten erfahren) auf einmal überall in Brasilien auftauchen. Alles ist feministisch angehaucht, aber was ist die Botschaft des Films? Allein die Handlung zusammenzufassen fällt mir zumindest schwer. Zwei Schwestern fahren aus ihrer gewohnten städtischen Umgebung raus aufs Land, um ihren Vater zu finden. Ihre Mutter liegt im Sterben und sie müssen klären, wie es anschließend weitergehen wird. Mit ihrer emanzipierten Art fallen sie im Dorf schnell auf. Zwischen den Handlungseckpfeilern: ganz viel Kunst, um es nett auszudrücken. Auch bei einigen Gesprächen untereinander werden wir nicht so richtig schlau aus Irma. Da sich niemand bereit fühlt, eine ganze Kritik zu schreiben, verleihen wir unserer Verwirrung in dies...

Ein hoher Preis

Schon zur Premiere von Byambasuren Davaas Adern der Welt bin ich mir sicher, dass dieser Film einer meiner Favoriten des diesjährigen Kplus-Programms sein und bleiben wird. Vielleicht liegt das an den vielen Tränen, die ich mir während des Abspanns von den Wangen wische, die dadurch aber nur umso stärker zu fallen scheinen. Wenige Minuten vor Beginn des Films wird mir versichert: das ist ein richtig schöner Film. Schön? Ja, irgendwie schon. Dass er aber so schön ist, weil er gleichzeitig so todtraurig ist, damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Der Junge Amra und seine Familie sind Nomaden. Von Jahreszeit zu Jahreszeit ziehen sie an unterschiedliche Orte, kehren aber immer an die gleichen Orte zurück, je nach Saison. Ihre Lebensweise ist jedoch bedroht: immer mehr Goldminen werden eröffnet und die Nomaden von ihren Ländereien verdrängt, um die Bodenschätze freizulegen, nach denen die westliche Gesellschaft giert, während die Nomaden den gesamten restlichen Boden ehren. Trotz Nomaden...