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Die Welt ist blau wie eine Orange


Eindrücke zum Ukrainischen Dokumentarfilm „The earth is blue as an orange“. 

SZENE 1 TAKE 4 

Das Geräusch von Bomben zerstört Häuser und Gedanken 
ihr Kind schläft Nachts mit offenen Augen 
Der Mond versteckt sich hinter müden Schornsteinen 
damit er die Einschusslöcher nicht sehen muss: 
Blaue Fensterrahmen 

Im Schatten der Ostblockbauten treten sie auf das Geräusch von Scherben 
und der Surrealismus umarmt die Realität 
Eine Familie an der Grenzlinie filmt 
den orangenen Staub von Красногорівка 
„Сподіваюся“ 

Die Brennweite der Kinderträume reicht bis nach Kiew 
wo man das Objektiv auf plätschernde Springbrunnen hält 
Der Spiegelreflex ist schwach geworden 
aber der Puls noch immer hoch 
„Gestern war der Himmel rot“ 


Orangenes Lachen übertönt das Grau 
und das Saxophonspiel ist lauter als die Bomben 
Der Spielzeugpanzer fährt über den Rücken der Großmutter 
und alles was ich denken kann ist: 
Warum sind die Hügel schwarz-weiß geworden? 

Viele sind gegangen, sie sitzt auf dem Blau 
die Stadt ist leer geseufzt und die Katze spielt 
Im Müll die abgeschnittenen Haare 
einsam hängt ein blauer Ballon im Baum 
„War is emptiness“ 

Als erstes rattert der Nachtzug 
durch hohes Gras, wuchert über Spielplätze 
Der Schnee fällt in die Kellerstunden 
hält sich die Ohren zu und denkt: 
Die Welt ist blau, wie eine Orange 

28.02.2020, Liv Thastum

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